Auszug

Kisten im Flur, das Zimmer mit Kartons voll."He, kann mir mal einer sagen, wohin das hier soll?" Im Moment sieht es wirklich chaotisch aus. Ein letztes Mal, denn unser Großer zieht aus.

Die Haare wie vom Sturm zerzaust - der Schweiß rinnt. Heute muss ich Dich loslassen, Dich, mein erwachsenes Kind. Voller Liebe betrachte ich aus der Ferne Dein Gesicht. Ein Stich durchfährt mein Herz, zum Glück merkst Du es nicht.

Einmal musste dieser Tag ja kommen. Ich weiß noch, wie ich Dich zum ersten Mal in die Arme genommen. Dein erster Zahn, Du hast immer gerne gelacht, schon früh Deine ersten Schritte gemacht.

"Mom, wo ist die Verlängerungsschnur und mein Lautsprecher hin?" Plötzlich kommt mir die Gegenwart wieder in den Sinn.Gemeinsam suchen wir die letzten Sachen zusammen. Deine Narbe am Knie fällt mir auf- und auch sonstige Schrammen.

Du hast uns viel Freude und auch Kummer gemacht. Krankheiten, Dein Motorradunfall, manche durchzechte Nacht. Doch, Du hast mir viele dunkle Stunden erhellt und wußtest, trotz aller Kümmernisse, worauf es ankommt, was zählt

" Hallo aufwachen, hast Du meine blaue Levis gesehen?" Ich habe sie gewaschen und muss in den Waschkeller gehen.T-shirt, Boxershorts, ein Loch im neuen Pullover, soll man es glauben! Ungewollt-und doch angekündigt schießen mir Tränen in die Augen.


Da stehe ich, den Pullover in den Händen und fange an zu weinen. Dein Fortgehen macht mir nichts aus, wie kann ich das nur meinen.Obwohl ich doch weiß, Du wirst Deinen Weg gehen, Dein Studium anpacken, Dein Mädchen lieben und, Du hast Freunde, die zu Dir stehen.

Für Deinen Vater und mich wird ein neuer Lebensabschnitt beginnen.Wir werden uns wieder mehr aufeinander besinnen. Ich wische die Tränen fort, ich möchte es Dir nicht noch schwerer machen. Ich sammle Deine Socken auf und den Rest Deiner Sachen.

Im Treppenhaus steht Dein Bruder und wirft Dir Dein Kissen. Nicht nur Deine Eltern, auch er wird Dich vermissen.Du wirst uns fehlen, selbst Deine Macken und Unzulänglichkeiten. Wir werden es lernen, zu dritt zu streiten.

Doch nun Schluss mit dem Trübsinn, auch ich freue mich. Über Deine Studentenbude, Deine Selbstständigkeit und über Dich. Genieße Deine Freiheit, Du wirst Deinen Weg gehen. Wir werden lernen, Dich loszulassen und doch zu Dir zu stehen.
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